Centre Culturel Français und Lambarene
September 22nd, 2008. Published under Gabon. No Comments.
Während der Kalenderwoche 38 war ich das erste mal alleine in der Stadt unterwegs, also nicht hier in der näheren Umgebung. Mit dem Taxi und auch sonst so hat eigentlich alles gut geklappt. Für 1,50 € fährt man vom Stadtteil in dem ich Wohne (Nzeng Ayong) ins „Zentrum“. Oft sprechen mich die Taxifahrer an und oft verstehe ich auch gar nicht was sie wollen, aber wenn ich dann sage, dass ich Deutscher bin und noch nicht so gut französisch kann, sind sie immer begeistert, reden langsamer und zählen einige Deutschen Fußballer auf, die sie kennen (das sind meist ziemlich viele). Man sieht mal wieder Fußball verbindet wirklich… Mit einem Taxifahrer kam ich besonders gut ins Gespräch und wir haben dann Handynummern ausgetauscht, falls ich mal einen Chauffeur brauche. Und ich soll mal mit ihm zur Deutschen Botschaft, weil er nach Deutschland will. Mal schauen…
Das Ziel meiner Taxifahrten war in dieser Woche drei mal das „Centre Culturel Français“. Das ist ein – wie der Name schon sagt – französisches Kulturzentrum. Das Ganze ist eine ziemlich große Anlage mit Kinosaal, Theaterbühne, Kunstausstellungsräumen, einer Bibliothek und einem Internetcafé. Dort bin ich jetzt für 10 € ein Jahr lang Mitglied und darf Veranstaltungen verbilligt oder umsonst besuchen, mir Bücher Ausleihen und dort billiger ins Internet.
Jeden Monat gibt es ein neues Programm und ich muss sagen, dass da wirklich viel los ist. Es gibt eigentlich immer was, sei es ein Konzert, eine Theateraufführung, eine Kunstausstellung oder eine Diskussionsrunde über irgendein Thema. Für nächsten Monat habe ich mir schon ein paar Sachen rausgesucht, die ich besuchen will.
Außerdem habe ich mir in dieser Woche auch mal ein paar Süßigkeiten aus dem Einkaufszentrum M’Bolo gegönnt. Und wenn man ein bisschen guckt, ist es gar nicht so teuer. So hab ich eine Prinzenrolle für 2 € erstanden. Schokolade ist aber ziemlich teuer. Eine Tafel Milka kostet je nach Art 3 € aufwärts. Außerdem hab ich noch einen (ich denke mal gefälschten) Nike Fußball für 8 € erstanden, damit ich mit Yannick ein bisschen locker kicken kann und nicht mit dieser Mannschaft spielen muss.
Am Freitag (19.09.) waren Yannick, Conny und ich abends am Cap, dann in einer Kneipe am Flughafen und dann am Flughafen um Simon zu verabschieden. Er war jetzt 7 Wochen in Gabun und hat nach 6 Wochen Famulatur noch eine Reisewoche dran gehängt. Er war in Lambarene, Tchibanga und Mayumba und fand es ganz gut. So eine Tour werde ich auch mal noch unternehmen.
Am Samstag sind wir drei dann sehr früh aufgestanden, um nach Lambarene aufzubrechen. Wir sind dann so um 06:45 mit dem Taxi losgefahren. Die fahrt war schon ein Abenteuer für sich, weil der Taxifahrer für die Straßenverhältnisse ziemlich schnell und riskant gefahren ist. Nach einigen waghalsigen Überholmanövern meinte Yannick zu ihm, dass er doch ein bisschen langsamer machen soll, was den Fahrer jedoch wenig beeindruckt hat. Im Taxi hat es ziemlich gestunken, weil darin wohl vorher irgendwelche Tiere transportiert wurden und es roch etwas verwest. Wir haben dann mit Deo den Kofferraum besprüht, was aber nur kurzzeitig Besserung brachte. Die Bundesstraße war teilweise in recht gutem teilweise in miserablem Zustand. Ab und zu gab es Straßenkontrollen von der Gendarmerie immer mit Gewehr. Diese Kontrolleure werden vom Staat bezahlt, um Leute und Waren, die diese Stützpunkte passieren zu kontrollieren. Falls etwas nicht rechtens ist, dürfen sie ein Bußgeld kassieren und müssen dieses dann weiterleiten. So die Theorie. Jetzt die Realität: Wir wurden mehrmals „kontrolliert“ das sah dann aber meist so aus, dass wir einfach durch gewunken wurden. Ein paar mal musste unser Taxifahrer auch aussteigen und ein bisschen was bezahlen (man könnte auch sagen den Kontrolleur bestechen), damit wir weiterfahren konnten. Unsere Pässe oder die Fahrzeugpapiere wollte von allen Kontrolleuren (Hin- und Rückfahrt ca. 15) nur ein einziger auf der Rückfahrt sehen.
Wir waren dann so drei Stunden und ca. 250 km gen Landesinnere später in Lambarene einem – je nachdem, was man noch dazu zählt – 20000 bis 40000 Einwohner umfassenden Ort. Wir haben uns direkt zum Albert Schweitzer Krankenhaus fahren lassen und wurden dort von einem Freund Yannicks (Maxime) empfangen. Die Taxifahrt hat pro Person 7000 F CFA gekostet, also ca. 11,50 €. Billiger als die Mitfahrgelegenheit in Deutschland…
Wir wurden dann als erstes zum Forschungslabor gebracht, wo uns Prof. Kremsner aus Tübingen, der auch das Forschungslabor in Lambarene leitet empfing. Er hat uns dann etwas zur Geschichte des Krankenhauses und des Labors erzählt. Außerdem wurden wir aufgeklärt, was gerade so an Studien am laufen ist und was sie dort eigentlich so machen. Außerdem hat sich Prof. Kremsner informiert, wie es bei Yannick, Conny und mir so läuft. Ich konnte dann noch ein paar Fragen bezüglich der Uni hier loswerden und bin jetzt großer Hoffung, dass das alles einigermaßen laufen wird.
Danach wurden wir noch durch den Laborkomplex geführt. Die Ausstattung ist wirklich sehr gut. Der Standort gilt als eine der Malariaforschungseinrichtungen Weltweit. Finanziell sieht es auch relativ gut aus, weil einige Studien von der „Bill and Melinda Gates Foundation“ gesponsert werden und die geizen ja bekanntlich nicht mit Geld. Aber das Ganze ist eine allgemeinnützige Einrichtung und es wird kein Gewinn erwirtschaftet.
Anschließend sind wir dann ins „Zentrum“ von Lambarene gefahren und haben dort Ludovick (einen Medizinstudenten, der auch in Deutschland war) zum Essen getroffen. Danach sind wir noch über den Markt geschländert. Da gab es unglaublich viel Fisch und anderes Flußgetier (auch Krokodil) aus dem Fluß Ogooué und seinen Seitenflüssen, die Lambarene in drei Teile teilen. Es war mal wieder unglaublich heiß und wir schwitzen ordentlich. Dann sind wir zu unserem Hotel gelaufen und haben ein paar Sachen dort deponiert. Für eine Übernachtung ohne Essen haben wir 11,50 € gezahlt. Es war aber auch wirklich eine Bruchbude mit Ekliger Toilette und Dusche auf dem Gang.
Nachdem wir uns kurz ausgeruht haben sind wir wieder zum Albert Schweitzer Krankenhaus aufgebrochen um uns das Krankenhaus, das Museum und den Rest des Geländes anzusehen.
Das Ganze Areal ist wirklich schön angelegt und liegt auch sehr Idyllisch direkt am Fluss. Das Haus in dem Albert Schweitzer mit seiner Frau wohnte ist heute ein Museum und mehr oder weniger so erhalten, wie es damals war, mit seinem Bett, Schreibtisch und seiner Tropenorgel. Im ehemaligen Bediensteten Speisesaal gibt es ein paar Informationstafeln und Bilder, die Albert Schweitzers Leben und sein Wirken in Lambarene dokumentieren. Nachdem ich vorher im Laborkomplex schon in ein paar Büchern von und über Albert Schweitzer gelesen hatte und dann sein Haus besichtigte, war ich sehr beeindruckt von diesem einzigartig vielseitigen Menschen. Es herrschte auch eine sehr ruhige und friedliche Stimmung und man merkte, dass der „Geist“ – also die Ideale – des Albert Schweitzer auch heute noch auf diesen Ort wirken.
Nach der historischen Tour besichtigten wir dann noch die Pädiatrie um einen Eindruck vom Krankenhaus, wie es heute ist, zu bekommen. Auch dort fanden wir wieder eine „heile Welt“ im Vergleich zum L’hopital general in Libreville vor. Zwar müssen auch hier die Leute für ihre Behandlungen bares Geld bezahlen, aber es wird niemand abgewiesen, der das Geld nicht aufbringen kann. Die Ausstattung ist allerdings bei weitem nicht mit deutschem Standard oder dem Militärkrankenhaus in Libreville vergleichbar. Ich werde auf jeden Fall eine Famulatur und oder ein Wochenpraktikum dort machen.
Abends sind wir dann noch mit Ludovick und Maxime in einer Kneipe, sind jedoch relativ früh ins Bett, weil wir dann doch nach einem langen und anstrengenden Tag ziemlich müde waren.
Am Nächsten Morgen wurden wir dann vom „Président“ = „Bürgermeister“ des
Cap bei Libreville abgeholt. Ihn nennen alle nur „Président“ und nicht beim Namen. Er war gerade übers Wochenende in Lambarene und hat angeboten uns noch ein bisschen was zu zeigen. Wir sind dann mit ihm zum neuen staatlichen Krankenhaus von Lambarene gefahren. Das ist ein riesen Komplex, der bald fertiggestellt wird und teil eines Regierungsprogramms ist, das in alle Orte ab einer bestimmten Größe so ein Krankenhaus baut. Die Behandlung soll dort kostenlos sein. Diese Krankenhäuser werden von einer Österreichischen Firma geplant, gebaut, ausgestattet und geleitet, wie uns Prof. Kremsner erzählte. So ist dann ab nächstem Jahr, wenn es eröffnet wird ein Österreicher Chefarzt dort. Das fast fertige Krankenhaus sieht von außen äußerst schick und modern aus und alle sind Guter Dinge, dass es auch funktioniert, weil diese Firma alles managet. Für das Albert Schweitzer Krankenhaus sieht es dann natürlich nicht so gut aus, weil es mit der Ausstattung und Größe bei weitem nicht mithalten kann. Eigentlich ist es ja hirnrissig, dass so ein kleiner Ort zwei Krankenhäuser hat. Prof. Kremsner erklärte uns das so: Bongo (der Präsident) finanziert das Albert Schweitzer Krankenhaus nach einem Vertrag mit 60%, darf dort aber nichts entscheiden, weil es von der internationalen Albert Schweitzer Stiftung geleitet wird. Das passte ihm nicht also hat er einfach ein eigenes Krankenhaus in Lambarene bauen lassen. Die Zukunft wird zeigen was das nun für das Albert Schweitzer Krankenhaus bedeutet.
Danach sind wir in einen kleinen Ort gefahren um mit Freunden des Président dort im Wald zu Frühstücken. Es war bereits 13:00 Uhr und wir hatten noch nichts gegessen. Dort gab es dann erstmal Palmwein für jeden. Ich habe zwangsweise (es wir einem einfach immer wieder eingeschenkt) 1 ½ Liter getrunken und war schon etwas betrunken, als es dann endlich was zu Essen gab: Antilope und Fisch, dazu Manioc. Yannick, Conny und ich haben uns dann noch eine Stunde sehr gut über alles was wir gesehen hatten und allgemein über Probleme in diesem an sich so tollen Land unterhalten. Wir wurden dann noch Zeuge einer unglaublichen Aktion, die mich fast zum Vegetarier hat werden lassen. Es wurde schon bevor wir ankamen eine Schildkröte zum Essen gefangen, die jedoch nicht gleich getötet wurde sondern auf ihren Rücken gedreht wurde und dort qualvoll versuchte sich umzudrehen. Das schaffte sie jedoch nicht. Dann eine Stunde später wurde sie lebendig ins Feuer geworfen und in ihrem eigenen Panzer gekocht. Es dauerte ein paar Minuten, bis sie nicht mehr zuckte. Ich Esse gerne Fleisch, aber wenn Tiere vorher so sterben fällt mir das doch schwer. Zum Glück sind wir dann gefahren und mussten nichts mehr von der Schildkröte essen.
Auf dem Rückweg sind wir dann mit einem Freund des Président gefahren und haben wegen extremem Regen (langsam geht die Regenzeit los) über 5 Stunden gebraucht.
Alles in allem war es ein sehr interessantes und schönes Wochenende in Lambarene.