Essen, Fußball und im Busch
September 15th, 2008. Published under Gabon. No Comments.
Am Mittwoch (10.09.) waren Yannick, Conny und ich bei einem weiteren Onkel von Yannick zum Abendessen eingeladen. Wir haben uns dann mit Yannicks Onkel in dessen Büro getroffen. Dieser Onkel ist der Chef von Western Union (einer großen Bank) in Gabun und hat demnach wohl keine Geldprobleme. Wir wurden dann auch gleich von seinem Chauffeur abgeholt, der uns zu seinem Haus gebracht hat. Das Haus war schon eindrucksvoll: Prunkvoll eingerichtet und komplett klimatisiert. Dort habe ich dann einen weiteren Teil der Familie kennengelernt: Cousinen, Cousins und auch Yannicks Großeltern mütterlicher seits. Wir haben uns dann erst das WM-Qualifikationsspiel Frankreich – Serbien angeschaut und anschließend gegessen. Es gab Antilope. Ich muss sagen, dass es wirklich sehr gut geschmeckt hat. Nachdem wir viel gegessen und getrunken hatten, wurden wir nach Hause gefahren.
Am Freitag (12.09.) war ich mit Yvan Fußballspielen. Auf einem nahegelegenen „Fußballplatz“ (es ist eigentlich eher ein Acker mit Holzstangen, die als Tore dienen) treffen sich täglich mindestens 30 bis 40 Leute. Dann werden Mannschaften gebildet, ein Schiedsrichter bestimmt und dann geht es auch schon los. Ich war gespannt, ob es mit meinem Knie gehen würde. Es war das erste mal nach meiner OP, dass ich wieder „richtig“ Fußball gespielt habe. Ich hatte dann ehrlich gesagt auch das ganze Spiel etwas Angst um mein „neues Kreuzband“, weil ich schon in den ersten Minuten merkte: „Hier wird ein bisschen anders gespielt!“ Wenn man sagt, das Spiel war körperbetont, wäre das untertrieben. Dass es keine schlimmen Verletzungen gab, hat mich ziemlich gewundert. Es wurde gegrätscht und geschubst ohne Rücksicht auf Verluste, meist wurde einfach irgendwie auf den Ball gedroschen, richtige Spielzüge mit ein paar Pässen am Stück kamen kaum zustande. Der Boden war aber auch dermaßen uneben, dass Pässe oft auch deswegen einfach nicht ankamen. Ich hab mir dann auch beim Tritt in ein Loch mein Knie etwas überstreckt und am Nächsten Tag tat es auch ordentlich weh, ist jetzt aber wieder gut. Der Schiedsrichter wurde zweimal ausgetauscht. Wenn es zu einer strittigen Situation kam (und da gab es einige), wurde dem Schiedsrichter von der betroffenen Mannschaft einfach die Pfeife weggenommen und ein neuer Schiedsrichter installiert. Die Entscheidung des vorigen Schiedsrichters wurde aber beibehalten. So wurde ein Tor gegeben, das eigentlich gar keines war. Der neue Schiedsrichter gab dann im Gegenzug einen Elfmeter, der auch, sagen wir mal „strittig“ war. Nach 90 Minuten stand es dann 2:1 bzw. 3:1 für die gegnerische Mannschaft, je nachdem, ob man das eine Tor zählt oder nicht. Trotz allem hat es wirklich mal wieder Spaß gemacht in einer Mannschaft zu spielen. Aber ich glaube es ist mir doch zu gefährlich, so dass ich das wohl nicht mehr machen werde.
Am Samstag (13.09.) waren wir wieder auf dem Cap. Wo Onkel und Tanten von Yannick wohnen. Ein weiterer Onkel Namens Erick kam an diesem Tag von Martinique zurück, wo er geheiratet hat. Er hat seine Frau, die von der Insel Martinique kommt beim Studium in Frankreich kennengelernt. Es gab wie immer viel zu Essen und zu trinken. Erick hatte eine Flasche (des wohl berühmten) Rums aus Martinique mitgebracht. Dieser wurde dann entweder pur oder gemischt mit einer zähflüssigen Kokosmilch getrunken. Anschließend gab es auch noch Palmwein. Es wurde Fußball geschaut (französische Liga: Marseille – Bordeaux) und sich unterhalten.
Am Sonntag (14.09.) wollten wir schon Früh mit Yannicks Papa zu dessen Grundstück fahren, um dort ein bisschen zu arbeiten.
Das Ganze verzögerte sich dann, weil erst noch eine kleine Antilope im Garten geschlachtet wurde. Das Tier wurde als Ganzes auf dem Markt gekauft. Anschließend wurde es komplett mit Fell auf das offene Feuer gelegt und so Fell und Haut abgebrannt und anschließend mit dem Messer abgeschabt. Dann wurden die Eingeweide herausgenommen. Die Eingeweide werden gewaschen, dann gekocht und komplett gegessen. Die Männer sind hier (ähnlich wie bei uns beim Grillen ;-) ) für das Fleisch zuständig, während die Frauen die Beilagen zubereiten (Manioc und Maniocblätter). Ich erkläre hier nochmal kurz, wie das mit dem Manioc so geht, weil ich es eigentlich jeden Tag esse und es hier wirklich DAS Grundnahrungsmittel ist (es gibt auch ein paar neue Bilder dazu). Die Wurzel des Manioc wird getrocknet und gemahlen, dann wird das Pulver in große Blätter eingewickelt und gekocht. Zum Essen werden die gekochten Maniocstangen dann wieder ausgepackt und in Stücke geschnitten.
So um 12:30 Uhr sind wir dann Richtung Cap, wo sich das Grundstück befindet, aufgebrochen. Nach weiteren Verzögerungen beim Essenkaufen, Leute abholen und abliefern, waren wir dann auch irgendwann wirklich da.
Yannicks Vater hat vor auf diesem Grundstück Gemüse und Obst anzubauen und ein kleines Häuschen dorthin zu bauen, um dort die Wochenenden zu verbringen. Dazu wird der Wald abgeholzt und dann abgebrannt. Anschließend werden Pflanzen gepflanzt, die den Boden wieder fruchtbar machen. Erst dann wird das angepflanzt, was man haben will. Das geht aber alles ziemlich schnell, weil hier alles so schnell wächst. Testweise wurden schon Manioc, Bananen und Ananass angepflanzt. All das wächst einfach wunderbar.
Wir haben uns umgezogen und sind in den „Busch“ gegangen. Bevor es losging wurde zur Stärkung erst nochmal was gegessen. Dann hat jeder eine Machete bekommen und es ging los. Unsere Aufgabe an diesem Tag war das schon teilweise abgeholzte Gebiet vollends abzuholzen, frei zu räumen und auf Haufen zu schlichten, um es dann zu verbrennen. Ich habe schon lange nicht mehr so geschwitzt, wie an diesem Tag. Es ist wirklich eine Ganzkörpertätigkeit, wenn man große Äste mit der Machete abschlägt und diese dann durch die Gegend trägt. Während wir mit unseren Macheten arbeiteten schossen Erick und noch jemand (von dem ich den Namen leider nicht weiß), ein Eichhörnchen und zwei Tauben mit einer Flinte.
Als es dunkel wurde sind wir dann noch zur Familie am Cap gefahren und haben uns mit Essen gestärkt. Dort gab es dann auch schon das Eichhörnchen. Mir tat es ja schon ein bisschen leid, weil Eichhörnchen zu meinen Lieblingstieren gehören und ich es eher sinnlos finde solche Tiere, an denen ja kaum etwas dran ist, zu essen. Es schmeckt aber nicht schlecht.
Mir hat das Ganze trotz leichten Rückenschmerzen am Schluss (weil man doch meist gebückt arbeitet) sehr viel Spaß gemacht und ich werde kommende Woche gleich wieder mit „Papa“ hinfahren. Die Natur ist einfach unglaublich und nach einem Tag wie diesem schläft man einfach unglaublich gut.
Auf dem Rückweg haben wir noch kurz beim Haus von Yannicks Oma väterlicherseits halt gemacht um Holz abzuliefern. Auch Sie war wieder sehr nett und mir wurde gleich angeboten, dass ich falls ich keine Wohnung finden sollte auch erst mal dort wohnen kann.