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Carte de séjour – ein kleines Weihnachtsgeschenk

February 5th, 2009. Published under Gabon. No Comments.

Ein paar Tage vor Weihnachten bekam ich endlich meine Aufenthaltsgenehmigung (carte de séjour) – was für ein Weihnachtsgeschenk! Hier ein paar Etappen auf dem Weg durch die gabunische Willkürbürokratie, dann ist es vielleicht verständlich warum ich von einem “Weihnachtsgeschenk” spreche:

  • alles in allem war ich sage und schreibe 11 mal beim CEDOC (gabunische Einwanderungsbehörde)
  • bei diesen 11 mal musste ich im Schnitt so 2-3 Stunden warten (manchmal auch 4 Stunden)  – ich habe also mehr als einen Tag (24 Stunden) bei dieser Behörde verbracht
  • der ganze Spaß hat über 2 Monate gedauert
  • ich war über einen Monat mit abgelaufenem Visum, sprich “illegal” im Land (langsam könnte man glauben ich sei hier auf Rekordjagd: Der erste deutsche Medizinstudent an der Uni, der einzige “Weiße” an der medizinischen Uni und jetzt, laut Botschaft der erste Deutsche, der sich illegal in Gabun aufhielt – hehe)
  • erst als ich behauptete, dass ich an Weihnachten verreisen wolle und beim “Chef de service” und “Directeur général” vorgesprochen hatte, ging etwas voran
  • bei alledem hatte ich zum Glück noch jemanden dabei, der dort arbeitet – man braucht ja hier immer “connections”

Ich könnte an dieser Stelle noch einiges erzählen, von der Schikane und den schlechten Arbeitsabläufen dort oder den unfreundlichen, faulen Beamten, aber das spare ich mir jetzt. Jetzt ist ja alles gut…


Für Weihnachten war eigentlich geplant, dass ich mit Harris, Rosny, Beranger und Carine (alles Freunde von der Uni) eine kleine Tour zu ihren Familien mache. Mir wurde erklärt, dass das hier völlig normal sei, dass man auch an Weihnachten Freunde mit nach Hause bringt. Carines Mutter (die Oma des frisch getauften Babys) fände es wohl sogar komisch, wenn ich an Weihnachten nicht bei ihnen vorbei schauen würde, wo ich sie ja schon kenne und mit Carine befreundet bin. Ich war also schon sehr gespannt. Es war aber noch nicht ganz klar, wann das Ganze stattfinden sollte.

An Heiligabend habe ich die ganze Truppe dann erst mal in die Kirche begleitet. Sie sind alle sehr katholisch, sehr gläubig und sehr aktiv in der Kirche. Alle sind Mitglieder in einer Gebetsgruppe an der Uni, die sich einmal pro Woche trifft, betet und diskutiert. Im Rahmen dieser Treffen hatten sie einen kleinen Film über Abtreibung erstellt und haben diesen dann an Heiligabend in der Kirche gezeigt. Der Film war ziemlich schockierend mit Bildern von toten abgetriebenen Föten, wo man schon mehr oder weniger alles erkennt. Der Gottesdienst war – von dem Film mal abgesehen – sehr fröhlich und locker. Es wird hier in der Kirche sehr viel gesungen und die Gemeinde singt auch lautstark mit. Die Predigt beansprucht einen relativ kleinen Platz.

Nach dem Gottesdienst stellte sich dann raus, dass das mit den Familienbesuchen ins Wasser fallen würde. Wir sind dann spontan noch gemütlich was essen und trinken gegangen und haben uns sehr gut unterhalten.

Am 25. fand die Tour durch die Familien dann auch nicht statt. Naja, das ist sozusagen mal wieder “gabunisch” gelaufen, sprich, viele tolle Ideen und Vorhaben, aber das Wenigste wird dann leider umgesetzt. Ich fand es aber nicht weiter schlimm, weil ich so am 25. Yannicks Familie in Nzeng Ayong (da wo ich die ersten 2 Monate gewohnt habe) einen Besuch abstattete. Meine Mama hatte ein große Kiste mit Nürnberger Spezialitäten als kleines Dankeschön für die Gastfreundschaft von Yannicks Familie geschickt. Das habe ich dann am 25. übergeben. Sie waren sehr begeistert und fanden alles sehr lecker. Wir haben  Nürnberger Lebkuchen und Heidelbeerglühwein auf der Terasse bei geschätzten 30 ºC genossen – auch ein Erlebnis. (siehe Bilder)

Ich habe hier echt festgestellt, dass für mich “unser” Winter fest zu Weihnachten gehört. Ich kam hier einfach nie richtig in Weihnachtsstimmung. Weihnachten selbst, war dann aber wirklich sehr schön, auch wenn ich auch wirklich gerne zu Hause gewesen wäre.

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