Die ersten Tage mit Hannah und Silvester
February 9th, 2009. Published under Gabon. No Comments.
Am Abend des 26.12. kam die Hannah in Libreville an. Ich hatte eigentlich vor sie alleine abzuholen, damit wir erst einmal ein bisschen Zeit zu zweit verbringen können. Harris und Rosny bestanden aber darauf, sie mit mir in Empfang nehmen zu können.
Die beiden halfen uns die aufdringlichen “Ich trage Ihr Gepäck”-Leute loszuwerden und verfrachteten uns in ein Taxi zu mir nach Hause. An unserem ersten Abend sind wir in einem kleinen gabunischen Restaurant gemütlich essen gegangen. Hannah merkte, dass Maniok, das Grundnahrungsmittel nicht so nach ihrem geschmack ist, den Rest fand sie aber sehr lecker.
An Hannahs erstem richtigen Tag sind wir zu einem der größten Straßenmärkte gegangen. Das war vielleicht etwas viel “Culture Shock”, weil es bei diesen Märkten wirklich ziemlich verrückt zu geht. Als ich meinen gabunischen Freunden am Abend erzählt habe, dass wir beim alten Gare-Routière-Markt waren, sagten sie, dass das schon heftig sei für den ersten Tag. Die Hannah hat es aber gut verkraftet ;-) . Ich gehe eigentlich relativ selten auf solche Märkte, weil man zum einen unglaublich aufpassen muss, dass einem nicht der Geldbeutel, das Handy oder der Photoapparat geklaut wird, zum anderen die Verkäufer “Weißen” gegenüber wirklich sehr aufdringlich sein können. Die meisten Straßenmärkte wurden eigentlich vom Libreviller Bürgermeister verboten und werden auch regelmäßig von der Polizei gestürmt und geräumt. Angeblich wollen sie damit den illegalen Handel eindämmen und die Straßen wieder befahrbarer machen. Richtig funktionieren tut es nicht. Das letze mal wie ich auf dem Gare-Routière war, bestand er aus einem Meer an kleinen aus Holz konstruierten Ständen. All diese Stände waren nun weg, kurz und klein geschlagen und abgebrannt von der Polizei (das stand sogar in der Zeitung). Die Verkäufer kommen trotzdem wieder und handeln nun ihre Waren teilweise einfach auf dem schlammigen Erdboden, Auf Paletten oder auf Plastikplanen.
Am Abend des 27.12. waren Hannah und ich mit meinen Uni-Freunden und Nhou zusammen in einer Bar und haben dort zu Abend gegessen und uns gut unterhalten.
Am 28.12. sind wir mit der fast gleichen Gruppe an einen der schönen Strände ein bisschen außerhalb von Libreville gefahren. Dort haben wir uns an einer Strandbar niedergelassen, etwas getrunken und die tropische Sonne genossen. Mir ist mal wieder aufgefallen, dass die meisten Gabuner, die ich bis jetzt kennen gelernt habe, irgendwie “wasserscheu” sind. Die wenigsten gehen gerne ins Wasser und viele können auch gar nicth schwimmen, obwohl sie praktisch am Meer wohnen. Hannah und ich genossen den Atlantik sehr. Nahe der Bar konnte Hannah die ersten afrikanischen Frauen zur Musik mit ihren Hintern wackeln sehen. Das hört sich jetzt komisch an, ich schreibe es aber, weil man hier wirklich sehr anders tanzt als bei uns. Tanzen ist auch irgendwie “Nationalsport”. Die Gabuner können sich kaum ruhig halten, wenn irgendwo (afrikanische) Musik läuft. Zufällig haben wir Colbert (Yannicks ältesten Bruder) mit ein paar Freunden am Strand getroffen. So kam Hannah in den “Genuss” ein bisschen Palmwein zu pobieren, den die Truppe dabei hatte. Leider hat auch das wieder nicht sooo ihren Geschmack getroffen. Hier muss ich sagen, dass ich weder Maniok noch Palmwein am Anfang besonders mochte, mich aber mit der Zeit daran gewöhnt habe und Palmwein trinke ich mittlerweile ganz gern :-) . Wie schön es an dem Strand war, kann man den Bildern glaube ich ganz gut entnehmen.
Für Silvester wurden im Voraus mal wieder große Pläne geschmiedet und es sollte mal wieder anders kommen als geplant. Hannah und ich endeten auf einer kleinen Party bei Yvan (einem Freund von Colbert). Davor haben wir an einer kleinen Bar auf dem Weg noch ein bisschen was zu trinken gekauft. Die Barkeeperin hatte ein kleines Kind, das die “Weißen” erst sehr interessiert anschaute, dann aber von seiner Mutter erschreckt wurde und auf einmal unglaublich Angst vor uns hatte. Bei Yvan angekommen, tranken wir ein paar Régab (gabunisches Bier). Neujahr verpassten wir fast. Dann ging die Bussi- und Beglückwünschungsrunde los. Auf einmal wurde es dunkel. Stromausfall (die häufen sich in letzter Zeit). Da auf der Party eh nicht so der Bär steppte, sind wir dann in die Stadt aufgebrochen, um noch in eine Bar zu gehen. Da gab es dann auch wieder Strom. Die Bar war die heißeste (also von der Temperatur her) in der ich jemals war. Es war unglaublich voll, es wurde getanzt, getrunken und geschwitzt. Nach ein paar erfolglosen Barwechseln endeten wir noch bei irgendeiner Ex-Freundin von Nhou zu Hause. Dort feierten die ganz kleinen Kinder auch noch kräftig mit, obwohl es schon mitten in der Nacht war. Nachdem wir schon alle halb auf der Couch einschliefen, gingen wir dann relativ bald heim. Alles in Allem ein schönes, wenn auch nicht außergewöhnliches Silvester.
Am 01.01. waren Hannah und ich, mit Nhou, Colbert und seiner Freundin bei Tonton Paul (mal wieder ein Onkel von Yannick) eingeladen.Von dem hab ich schonmal was geschrieben. Er ist Gabunchef der Bankengruppe Western-Union und dementsprechen sieht auch sein Haus aus. Dort haben wir den halben Tag verbracht, gegessen, uns unterhalten und im Wohnzimmer getanzt. Tonton Paul hat sich mit irgendeinem teuren Whiskey ziemlich hergerichtet. Hannah und ich fanden es ganz lustig, auch wenn wir mit dem Pascha-artige Wesen von Paul nicht so viel anfangen konnten.