Libreville, Nyonié und Lambaréné – Die restliche Zeit mit Hannah
February 13th, 2009. Published under Gabon. No Comments.
Die erste Woche im neuen Jahr haben Hannah und ich eher ruhig und gemütlich in Libreville verbracht. Wir waren mehrmals abends in kleinen Straßenrestaurants essen und tagsüber mal ein bisschen in der Stadt unterwegs. Am 03.01. waren wir bei einem “spectacle de danse”, also einer Tanzaufführung im Centre Culturel Français (CCF). Dazu hatte uns eine Kommilitonin eingeladen, die in dieser Gruppe tanzt.
Ich habe ehrlich gesagt nichts großartiges erwartet, weil ich mir dachte, dass das ja so eine Hobby-Tanzgruppe ist und die das Ganze sicherlich nicht sonderlich professionell betreiben. Wir waren dann aber wirklich begeistert, weil es einerseits sehr vielseitig war, von Hip-Hop über afrikanischen Tanz bis zu klassischen Tanz wurde alles geboten, und die Mädels andererseits einfach wirklich gut tanzten. Nach jedem Stück erschienen die Tänzerinnen in komplett neuen Outfits, je nachdem zu was sie tanzten. Auch die Stimmung im Saal war richtig gut. Leider ging die Vorstellung nicht so lange und hörte irgendwie auch ziemlich abrupt auf, also ohne Zugabe und die Tänzerinnen kamen auch nicht nochmal alle zusammen auf die Bühne.
Am 07.01. sind wir nach Nyonié aufgebrochen. Das ist ein winziger Ort, auf der dem Atlantik zugewandten Seite der Halbinsel vor Libreville. Dort kann man bei einer Bungalow-Anlage ein Komplettpaket buchen, bei dem dann wirklich alles mit drin ist. Man wird mit einem Boot an einem kleinen Libreviller Hafen abgeholt, übernachtet dort in Bungalows direkt am Meer, kann an Safaris teilnehmen, bekommt Essen und Trinken und wird am nächsten Tag wieder nach Libreville verschifft.
Die Überfahrt war bereits sehr schön. Die Halbinsel ist auf der Libreviller Seite extrem verzweigt mit vielen Buchten und dazu extrem dicht bewachsen. Bäume dringen mit ihren Wasserwurzeln ins Meer vor, so dass man oft gar nicht weiß, wo eigentlich das “Land” beginnt. So schlängelten wir uns mit dem Boot durch die Buchten um immer tiefer in die Insel vorzudringen. Irgendwann tauchten Stangen aus dem Wasser auf, die im Abstand von ca. 10 m standen und denen wir folgten. Ich habe unseren Kapitän gefragt, was das denn sein soll, nachdem Hannah und ich uns keinen Reim aus der Sache machen konnten. Er hat uns dann aufgeklärt, dass das Markierungen der Gas-Pipeline sind, die von Port-Gentil bis nach Libreville verläuft. Nach ca. einstündiger Bootsfahrt kamen wir an einem kleinen Steg an, an dem wir anlegten. Die Reisegruppe (wir waren 9 auf dem Boot) wurde mit dem Gepäck auf zwei Jeeps aufgeteilt und dann ging die Überquerung der Halbinsel auf dem Landweg weiter. Nach ein paar Hütten in der Nähe des Steges, wo Hannah einen Affen vor einer Hütte rumturnen sah, kam eigentlich nur noch Urwald. Für ca. 20 Minuten fuhren wir durch mehr oder weniger dichten Regenwald, der sich aber irgendwie doch immer änderte. Plötzlich tat sich eine Lichtung auf und wir hatten einen tollen Blick über die Savanne, die durch ihr Gras “goldene” glänzte. Wir hielten kurz an, als wir den Äquator überquerten, der durch ein kleines Holzschild neben dem Weg gekennzeichnet war. Sowohl der Wald als auch die Savanne waren einfach wunderschön anzusehen. Nach insgesamt ca. 45 minütiger Fahrt kamen wir an der Bungalowsiedlung mit dem Namen Nyonié an.
Wir wurden von Bruno, dem Inhaber begrüßt und erhielten den Schlüssel für unseren Bungalow. Nach einem kurzen Spaziergang am Strand und dem Mittagessen ging es Nachmittags auf Jeep-Safari. Es war wirklich toll. Wir fuhren kleine Wege durch Wald und Savanne dabei die Natur auf uns wirken. Wir sahen einen einsamen Büffel, der mitten im Nichts der Savanne stand und uns interessiert anschaute. Auf seinem Rücken saßen ein paar Vögel. Später sahen wir noch eine ganze Büffelherde, leider nur von weitem. An Waldrändern entdeckten wir ein paar mal Elefanten, die leider meist zu weit weg waren, um sie mit unserem unprofessionellen Photoequipment festzuhalten. Einem relativ großen Einzelgänger kamen wir ziemlich nah, nachdem unser Fahrer voll Gas auf ihn zu raste, um ihm den Weg abzuschneiden. Ich wusste gar nicht, dass Elefanten so schnell rennen können. Er verschwand dann auch gleich im dichten Wald. Ob solche Aktionen gut für die Tiere ist, ist halt die Frage… Da merkte man, dass das Ganze hauptsächlich ein Touri-Ding war und unsere Führer keine Park-Ranger waren, sondern einfach einheimische angestellte von Bruno. Auch der Wald war einfach unglaublich. Es herrschte teilweise eine ziemliche Lautstärke. Grillen, Vögel und bestimmt noch viele anderen Tiere veranstalteten ein großes Wettschreien. An jedem großen Baum hingen noch unzählige weitere Pflanzen. Rießige Lianen schlängelten sich an den gigantischen Bäumen hoch. Teilweise hatten diese Lianen einen Durchmesser, der selbst wieder einem kleineren Baumstamm entsprach. Es wurde langsam dunkel und die Abendstimmung im Wald und in der Savanne war sehr schön. Alles wirkte so friedlich, obwohl ja jeder weiß, dass Natur alles andere als friedlich ist. Nach 3 1/2 stündiger Fahrt kamen wir dann wieder in Nyonié an. Es war schon stockfinster geworden. Nach dem Abendessen, bei dem wir uns ein bisschen mit den anderen Leuten, die da waren unterhielten, gingen wir relativ bald ins Bett. Hannah kränkelte etwas und wir wollten am nächsten Morgen die Zu-Fuß-Safari mitmachen. Die sollte um 6 Uhr losgehen.
Am nächsten morgen ging es Hannah nicht wirklich besser und sie entschied sich nicht an der Waldwanderung teilzunehmen. Für die Wandergruppe gab es um 5:30 Uhr ein kleines Frühstück. Dann wurden wir von unserem Führer, mit Gummistiefeln und Machete ausgestattet, abgeholt. Wir liefen ganze 3 Stunden durch den Wald und die Savanne. Leider war unserer Führer eher ein Wegführer als ein Naturführer. Er konnte uns nicht wirklich viel über Flora und Fauna erzählen und war auch sonst nicht so gesprächig. Zu Fuß erlebt man den Wald natürlich nocheinmal ganz anders. Alles wirkt näher und “echter”. Den Lärm nimmt man noch viel intensiver wahr, ohne das Motorengeräusch des Jeeps im Hintergrund. Mir tat manchmal schon der Nacken weh vom vielen nach oben schauen. Die Bäume waren einfach gigantisch und man konnte in jeder Höhe irgendetwas entdecken. Leider bewegten wir uns nur auf relativ großen vorgefertigten Wegen und liefen auch viel zu schnell, um einige Sachen zu entdecken. Das fand ich beim Besuch des Lopé Nationalparks deutlich besser. Der “Guide”, den Conny, Yannick und ich dort hatten, kannte sich deutlich besser im Wald aus, kannte die Tiere und wusste, wo sie zu suchen waren. Dort liefen wir in 1 1/2 Stunden vielleicht nur 1-2 km, weil wir immer wieder für ein paar Minuten stehen blieben, um zu lauschen und zu sehen. So sah ich leider auf der Nyonié Tour keine Waldelefanten oder Antilopen. Einmal sah ich kurz einen Affen in einer Baumkrone vorbeihuschen. Wir sahen ein paar große Vögel, die über der Savanne kreisten und wir entdeckten auch ein paar Vogelnester, die an Sträuchern hingen, aber auch hierzu konnte unserer Führer uns leider keine Auskunft geben. Die pflanzliche Artenvielfalt war extrem eindrucksvoll. An jedem Gewächs hängen nochmal unzählige andere, die als Symbionten, Parasiten oder Kommensalen auf diesen leben. Obwohl im Januar die kleine Trockenzeit ist, herrschte im Wald ein unglaublicher Dunst mit sicher nahe an die 100% Luftfeuchtigkeit. So kamen wir nach 3 Stunden völlig verschwitzt und geschafft wieder bei unserer Bungalowsiedlung an. Es war Zeit für das zweite Frühstück mit Hannah.
Nach dem Frühstück haben Hannah und ich eine große Strandwanderung an der Atlantikküste gen Süden unternommen. Was die Strände hier in den Tropen meiner Ansicht nach so wunderschön macht, ist, dass der Regenwald bis an den Strand reicht. Man sieht vom Strand aus diese grüne, dunkle Waldwand Richtung Landesinneren, man selbst steht auf dem schönen, feinen, weißen Sandstrand und auf der anderen Seite erstreckt sich der atlantische Ozean, dem sich bis Brasilien (außer ein paar Inseln) nichts in den Weg stellt. Auf dem Strand lagen immer wieder rießige Baumstämme, die dort angespült wurden. Bevor die Holzstämme in alle Welt verschifft werden, werden sie an Häfen einfach ins Wasser geschmissen und dort gelagert. Manchmal reist sich so ein Riese los und wird irgendwo wieder an Land gespült. Die Holzindustrie macht immer noch einen großen Teil der gabunischen Wirtschaft aus, obwohl das Holz seit den 80er Jahren dem Erdöl als wichtigstes Exportprodukt weichen musste. Trotzdem wird natürlich auch hier noch viel zu viel dieser unglaublichen Natur vernichtet, um der westlichen Welt und zunehmend China (mittlerweile größter Holz- und Erdölabnehmer Gabuns) Rohstoffe zu liefern. Wir liefen ein paar Stunden am Strand entlang, schaukelten an einer Liane, Hannah sammelte Muscheln und wir genossen die frische Atlantikluft.
Nach dem Mittagessen wurden wir mit den Jeeps wieder zum Anlegeplatz des kleinen Bootes gebracht. Auf der Rückfahrt kamen wir in ein unglaubliches Unwetter und kamen so total durchnässt wieder in Libreville an. Die 1 1/2 Tage waren wirklich zu kurz, wir dachten aber gar nicht daran länger zu bleiben und nahmen nicht genug Geld mit, um noch eine Nacht länger zu bleiben. Ein Schnäppchen war das Ganze natürlich nicht…
Am 10.01. sind Hannah und ich nach Lambaréné aufgebrochen. Nach einer schrecklichen 3 1/2 stündigen Clando-(Taxi)-Fahrt zu 4. in einem Jeep hinten drin, der schon für 3 Personen nicht gerade viel Platz bot, kamen wir abends am Albert-Schweitzer-Krankenhaus an. Wir besichtigten noch kurz das kleine Schweitzer Museum, kauften uns am Kiosk etwas zu essen und setzten uns an das Ufer des eindrucksvollen Ogooué Flusses, um die Ruhe dort zu genießen. Am Abend waren wir im Catier Isaac, wo das lambarénésche Nachtleben stattfindet, in einem kleinen Straßenrestaurant essen, in dem ich schon einmal mit Yannick und Conny war. Wir aßen den typischen gegrillten Lambaréné-Fisch, der hier gefischt wird. Danach machten wir uns wieder zum “Schweitzer” (Kurzform für Albert-Schweitzer-Krankenhaus) auf. Wir waren von den “Schweitzern” (Kurzform für die Leute, die am “Schweitzer” arbeiten) zu einer Schokoladen-Party eingeladen worden. Ein paar Schweitzer waren über Weihnachten auf Sao Tome (kleine Insel, aber eigentständiges Land mit Portugiesisch als Landessprache, im Atlantik vor der gabunischen Küste) gewesen und hatten von dort die berühmte Schokolade mitgebracht. Sie haben ein kleines Schokoladenquiz erstellt. Dazu wurde allen die Augen verbunden und nacheinander wurden verschiedene Schokoladen getestet. Anschließend gab es einen Fragebogen, mit dessen Hilfe wir die verschiedenen Schokoladen denn beschreiben mussten. Außer der Sao Tome Schokolade bekamen wir verschiedene andere, eher “Mainstream” Schokoladen zum testen. Man merkts, wie man sich doch an unsere “normale” Schokolade gewöhnt hat. So schnitt die teure in Handarbeit hergestellte Sao Tome Schokolade bei vielen am schlechtesten ab. Und Lindt und Nestlé waren bei vielen beliebter. Danach war es eine ganz normale Party. Man unterhielt sich auf Englisch, Deutsch und Französisch, da die Schweitzer ja eine bunt gemischte Gruppe aus aller Welt sind, aß noch ein bisschen Schokolade, trank Wein oder Bier. Nachts wurden wir von Philipp zu unserem Hotel gefahren, das uns Guy, ein Freund von Nhou aus Lambaréné, besorgt hatte. Das Hotel war wirklich eine Katastrophe. Wir hatten eine rießige mehrspurige Ameisenstraße durchs ganze Zimmer und aus dem Abfluss kam eine Riesenkakerlake, die Klimaanlage kannte nur “ein” oder “aus” und verwandelte auf “ein” das Zimmer in einen Kühlschrank, an der Wand hing ein Poster von einer halbnackten Frau mit einem Macker. Naja, man kann sich denken, was das für ein Hotel war. Die zweite Nacht wollten wir also nicht mehr dort verbringen. Also siedelten wir zu den “Sœurs” um. Das ist eine Schwesternvereinigung auf der Lambaréné Insel (Lambaréné ist dreigeteilt, mit Vierteln an beiden Ufern des Ogooué Flusses und der Insel im Fluss). Dort war es wirklich wunderschön. Alles war schön angelegt, es war ruhig und sauber. Die Schwestern waren von irgend einer spanischen Mission und wirklich sehr nett. Nach einer Tour über den Markt am Ufer des Ogooué und erneutem Abendessen bei unserer lieben “Mama” (Frauen werden hier oft einfach mit “Mama” angesprochen) im Catier Isaac waren wir abends bei den Schweitzern zum Filmschauen eingeladen. Am Montag (12.01.) sind wir wieder mit einem Clando zurück nach Libreville gefahren. Leider war die Rückfahrt nicht viel bequemer als die Hinfahrt.
Die letzten Tage vor Hannahs Abreise verbrachten wir mit Souvenir-Shopping und Essen ;-)
Am Dienstag (13.01.) hat Claude (meine Nachbarin) für Hannah und mich gabunisch gekocht. Sie kam mit ihrer Schwester und ihrer sehr süßen kleinen Tochter Margaré zu uns rüber. Wir aßen viel zu viel, aber es war auch einfach zu lecker. Es gab Maniokblätter, Auberginengemüse mit gesalzenem Fisch, Reis und Kochbananen. Margaré erkundete immer wieder meine Wohnung und nahm alles in die Hand. Seit ich hier wohne hat sie sich ganz schön entwickelt, spricht jetzt schon ein paar Wörter, wobei sie ständig “non” sagt, was wahrscheinlich daran liegt, dass alle immer “non” zu ihr sagen. Sie nimmt wirklich alles in die Hand und den Mund und macht auch gerne Sachen kaputt ;-) …
Am Tag darauf waren wir schon wieder zum Essen eingeladen. Wir veranstalteten ein Abschiedsessen auf dem Cap bei Nhou. Es kamen Laurina, Rosny und Elsie. Außerdem waren noch Lino, Eric und Caprise da. Nhou und Caprise hatten gekocht. Auch das war wirklich wieder sehr lecker. Auf der Rückfahrt wurden wir von einem Fahrer von Rosny abgeholt, weil ab 21 Uhr keine Clandos mehr nach Libreville fahren. Die Fahrt war wirklich äußerst grenzwertig. Der Fahrer war eindeutlig betrunken und fuhr auch viel zu schnell. Wir kamen aber gut zu Hause an.
Am 15.01. flog Hannah am Abend wieder nach Deutschland. Wir brachten ihr Gepäck schon früh zum Flughafen und setzten uns dann noch in eine Bar neben dem Flughafen. Dort leisteten uns dann noch Laurina, Harris, Chyna und Carine Gesellschaft. Als wir wieder zum Flughafen kamen, war alles schon geschlossen. obwohl wir noch 45 Minuten vor Abflug da waren. Wir hatten die Zeiten etwas falsch verstanden, man konnte nur bis eine Stunden vor Abflug einchecken und nicht ab einer Stunde vor Abflug, wie wir dachten. Es ging dann noch alles gut aus. Hannah wurde durch den Polizeieingang von einem Air France Mitarbeiter zum Flugzeug gebracht. Als sie weg war, wurde ich gleich von einem Security Typen angequatscht, was ich ihm denn jetzt dafür geben würde, dafür dass er sie noch “durchgebracht” habe Diese Korruption überall ist wirklich unglaublich… Ich habe ihm natürlich nichts gegeben.
So ging Hannahs Besuch eher spektakulär zu Ende. Die 3 Wochen vergingen sehr schnell. Jetzt sehen wir uns erst im August wieder.