Babyschildkröten auf Pointe Denis
May 18th, 2009. Published under Gabon. No Comments.
Nach meinem letzten, etwas kritischen Eintrag, möchte ich jetzt wieder zur unglaublichen Schönheit dieses Landes kommen.
Am Wochenende vom 31.01. auf den 01.02. war ich mit Verena, Philipp und Michael (deutsche Freunde aus Lambaréné) auf Pointe Denis. Wir waren in der Assala Lodge, einer relativ schicken Bungalowsiedlung weiter im Süden von Pointe Denis. Der Besitzer alleine ist schon die Reise wert: Ein Macho wie man ihn sich besser nicht vorstellen könnte: Lange dunkle Haare, sonnengebräunt (in einem früheren Leben war er mal ein „weißer“ Franzose), fährt einen riesigen schwarzen Hummer, hat eine Stewardess zur Frau… (die Liste könnte noch viel weiter gehen)
Nach einem schönen Tag am Strand sind Michael und ich so um 21:00 Uhr aufgebrochen um auf Babyschildkrötensuche zu gehen. Von Dezember bis Ende Februar schlüpfen die Schildkröten aus den vergrabenen Eiern am Strand, buddeln sich aus und robben ins Meer. Das ganze tun sie nachts, wahrscheinlich um natürlichen Feinden zu entgehen.
Nach zweistündiger Wanderung liefen wir Tiphaine, eine braungebrannte französische Biologin, über den Weg, die gerade dabei war eine Babyschildkröte ins Wasser zu begleiten. Normalerweise orientieren sie sich am Mondlicht, durch die Lichtverschmutzung der Menschen finden sie aber wohl öfters nicht ins Meer. So patroulliert sie jede Nacht am Strand und hilft den kleinen Schildkröten mit einer Taschenlampe den Weg ins Meer zu finden. Die Schildkröte war wirklich extrem süß und bewegte sich nur im Schneckentempo vorwärts und legte immer wieder Verschnaufpausen ein. Tiphaine erklärte uns, dass das Schlüpfen und Ausbuddeln so anstrengend sei, dass dann für den Weg ins Meer kaum noch Kraftreserven übrig bleiben.
Wir liefen dann weiter zu einem kleinen eingezäunten Bereich, wo die Biologen selbst Eier vergraben hatten, um die Brutdauer und weitere Parameter zu untersuchen. Es waren gerade mehrere Schildkrötenbabys am Schlüpfen. Außer Tiphaine waren noch zwei gabunische Helfer da, die leider nicht viel über die Schildkröten wussten und uns kaum eine unserer Fragen vernünftig beantworten konnten. Gleichzeitig mit uns war eine Grundschulklasse da. Tiphaine war sehr darauf bedacht, dass man die Schildkröten nicht zu sehr störte. Als sie sich dann irgendwann wieder auf den Weg machte, machten ihre gabunischen Helfer genau das Gegenteil. Sie gaben die Schildkröten den Kindern in die Hände, es wurden Photos gemacht und die Schildkröten angeleuchtet. Nachdem die armen Schildkröten von den Kindern malträtiert wurde, durften wir sie auch noch mal kurz halten.
Nach dem tollen Erlebnis machten wir uns dann auf den Rückweg. Der Rückweg war wirklich lang, es war stockfinster und irgendwann kam uns alles so unbekannt vor. Wir trösteten uns damit, dass das bestimmt daran liege, dass Ebbe sei. Irgendwann waren wir uns dann aber sicher, dass wir einfach zu weit gelaufen waren. Wir drehten um und kamen erst um 03:30 wieder bei unserer Lodge an. Todmüde fielen wir ins Bett.
Am nächsten Tag entspannten wir noch am Strand und fuhren dann nachmittags wieder nach Libreville.